Der stille Alarm: Was genau ist ein Ohrschlag?
Ein Ohrschlag – medizinisch „idiopathischer plötzlicher sensorineuraler Hörverlust“ – betrifft jährlich Tausende Menschen in Deutschland. Innerhalb von Sekunden oder Stunden verschlechtert sich das Hörvermögen auf einem Ohr, oft begleitet von einem dröhnenden Tinnitus und Schwindel. Die Betroffenen beschreiben es als „jemand hat den Stecker gezogen“ – eine Erfahrung, die Angst und Ohnmacht hervorruft.
Doch was passiert im Inneren des Ohrs? Die Cochlea, unser Hörorgan, ist auf eine präzise Mikrozirkulation angewiesen. Winzige Blutgefäße versorgen die empfindlichen Haarzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Wenn diese Durchblutung schlagartig abreißt – ähnlich wie bei einem Mini-Schlaganfall – sterben die Haarzellen ab, und das Hörsignal bricht zusammen.
Die versteckte Ursache: Mikrozirkulation und oxidativer Stress
Forscher der Harvard Medical School und des National Institute on Deafness (NIDCD) haben in den letzten Jahren eine entscheidende Gemeinsamkeit bei Ohrschlag-Patienten gefunden: eine gestörte Mikrozirkulation der Cochlea sowie erhöhte Werte an freien Radikalen. Diese oxidativen Schäden greifen nicht nur die Haarzellen an, sondern auch die Synapsen zwischen den Hörnervenfasern. Die Folge: Die Signalübertragung wird instabil, und das Gehirn beginnt, Phantomgeräusche – Tinnitus – zu erzeugen, um die fehlenden Reize zu kompensieren.